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Materialinfo: Viskose (aus z. B. Bambus)

In den letzten Jahren ist Bambus als wertvolle Rohstoffe in allen möglichen Bereichen des Lebens immer wichtiger geworden. Bambus ist eine extrem schnellwachsende Pflanze, benötigt werden Dünger noch Pestizide und wächst in sehr vielen Teilen der Erde (Afrika, Asien, Karibik, Latein Amerika).

So ungefähr 2006 kamen die ersten Stoffwindeln aus Bambusviskose in Deutschland auf den Markt. Am Anfang konnte noch alles mögliche über die Bambuswindeln gesagt werden: antibakteriell, Naturfaser, pilzhemmend, etc – aber das wurde schnell rechtlich geändert und es muss vermerkt sein das die Textilien "Viskose" sind.

Aus Bambus direkt lassen sich allerdings keine Garne herstellen, die Bambuspflanze an sich ist zwar biegsam, aber holzig. So muss also ein Umweg genommen werden - und zwar durch chemische Aufbereitung. Deswegen zählt Viskose nicht zu den Naturfaser, sie gehört  zu den Chemiefasern aus natürlichen Polymeren - Cellulosefasern (Cellulosics). Es gibt eine ganze Reihe an Cellulosefasern: Viskose, Modal, Cupro, Lyocell, Acetat, Triacetat,.... Sie werden alle aus Zellulose = der Hauptbestandteil der Pflanzenzellwände, hergestellt.

 

Herstellung von Viskose:
 

Die gefällten Bäume oder die Bambuspflanze werden entlaubt, entrindet und zerkleinert. Diese Schnitzel müssen dann  stundenlang in einer sauren oder alkalischen Lösung gekocht werden. Der entstandene Brei kann sofort weiterverarbeitet werden, meist werden erstmal Zellstoffplatten gepresst und getrocknet. Den Platten wird Natronlauge beigegeben und so entsteht wieder eine weiche Masse die eine Weile reifen muss. Nun kommen Schwefelkohlenstoff und verdünnte Natronlauge dazu. Daraus entsteht eine zähflüssige, sirupartige Sinnlösung die mehrere Tagen reifen muss bevor sie durch kleinste Spinndüsen in ein sogenannte Fällbad geschickt werden. Nun erstarrt die Lösung zu festen Fäden. Anschließend muss der Faden noch weiter nachbehandelt werden (Waschen, Bleichen, weitere Behandlungen um die Filamente gleitfähiger zu machen, etc). Am Ende des Prozess ist aus Holz eine spinnfähige Faser geworden - eine regenerierte Zellulosefaser. Im Endeffekt ist die Viskose in der chemischen Zusammensetzung zum großen Teil mit der Baumwolle vergleichbar, aber es ist immer noch keine Naturfaser.

Ich habe hier versucht das ganz kurz zu erklären, aber es ist klar: die Herstellung von Viskose benötigt sehr viele Chemikalien. Die chemischen Aufbereitungen und Behandlungen sind aufwändig und nicht sehr umweltfreundlich. Und leider gibt es immer noch sehr viele Länder in denen Umweltauflagen entweder sehr weich gestaltet oder interpretiert werden. Die Entsorgung der chemischen Restbrühe ist technisch möglich, aber teuer und aufwändig. Und das passiert leider oft nicht.

Eine umweltfreundlichere Alternative ist Lycocell - dabei werden ebenfalls Holz oder Bambusteile verwendet. Dabei wird dem Zellstoff Wasser und ein Lösemittel beigegeben und dieslöst die Fasern direkt zu einer zähflüssigen Spinnmasse. Die wird gefiltert, versponnen und das verwendete Lösungsmittel wird ausgewaschen. Und dieses ausgewaschene Lösungsmittel kann wieder verwendet werden und das anfallende Abwasser ist nicht mehr für die Umwelt gefährlich. Die dabei entstandene Faser wird Lyocell genannt und z. B. Unter dem Markennamen Tencel vertrieben. (Tencel ist ein eingetragenes Markenprodukt des österreichischen Herstellers Lenzing. )

Für beide Fasern gilt aber: es sind KEINE Naturfasern! Es sind regenerierte Fasern, die allerdings sehr ähnliche Eigenschaften wie Baumwolle haben.

Vorteile Viskose/Lyocell:

  • Beide Stoffe nehmenmehr Feuchtigkeit als Baumwolle auf.
  • Die Stoffe sind weich und somit auch angenehm auf der Haut.
  • Viskose- und Loyocellstoffe sind günstiger als Baumwolle. Ich denke  das die Herstellungskosten weniger schwanken als bei Baumwolle. Viskose kann aus unterschiedlichen Hölzern hergestellt werden, sollte es in einem Bereich Probleme aufgrund der Ernte geben, dann kann dies durch einen anderen Rohstoff ausgeglichen werden.

Nachteile Viskose/Lyocell:

  • Sie sind empfindlicher in punkto Waschen
  • Sie sind weniger strapazierfähig als Baumwolle
  • Mehr dazu hier in einem Blogbeitrag von mir
  • Wenn übrigens andere Fasern wie z. B. Baumwolle oder Polyester mit verarbeitet sind, dann sind Viskosestoffe wesentlich stabiler.

Pflege:

Die Waschangabe der Stoffwindelhersteller liegen meist zwischen 30 und 60 Grad Maschinenwäsche.
Laut Viskosehersteller sollte aber Viskose nur bis 40 Grad im Feinwaschgang gewaschen werden.
Lyocell lässt sich bis 60 Grad waschen.
Auf jeden Fall dürfen die Waschmaschinen nicht zu dicht befüllt werden, denn erhöhter Druck und mechanische Reibung schadet den Stoffen. Ein Viskosefaden reisst immer an der nassen Stelle - Baumwolle an der trockenen.
 
Die Stoffwindelhersteller sagen oft es ist ok die Windeln im Trockner schonend zu trocknen - die Garnhersteller schließen Trockner aus. Der Grund ist das zu hohe Temperaturen die Fasern schädigen können und außerdem laufen die Windeln dann ein ganzes Stück ein.
 

Sie können Pulver- oder Flüssigwaschmittel verwenden, sollten jedoch darauf achten, das das Waschmittel NICHT das Enzym Cellulase enthält. Cellulase wirkt wie ein Rasierer: winzige abstehende Fasern werden entfernt, dadurch wird die Oberflächer glatte, das Licht bricht sich besser und der Stoff erscheint optisch "sauberer". (Hinweis: wir raten generell Waschmittel mit Enzyme zu meiden).

 
Für die Fleckenbehandlung empfehlen wir auch lieber Produkte mit Panamarindenextrakt oder ähnliches zu verwenden und Gallseife zu vermeiden. Auch Gallseife kann dauerhaft Viskosestoffe beschädigen. Das gleiche gilt für Chlorbleichen oder dauerhafte Behandlung mit Sauerstoffbleiche, Fleckensalz.
 
Wie Hanf und auch Baumwolle, benötigt auch Viskose mehrere Waschgänge bevor sie eine gute Saugkraft erreicht. Bis das passiert, verwenden Sie mehrere Einlagen und rechnen Sie mit kürzen Wickelabständen.

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