Stoffwindeln richtig waschen

Das Thema wie Stoffwindeln richtig gewaschen werden sollen ist eines der am meisten diskutierten Themen wenn es um Stoffwindeln geht. Ich erkläre Dir hier mit welchen Mitteln und welcher Waschroutine wir gute Erfahrungen gemacht haben.

Neue Windeln einwaschen:

Du hast Deine schönen, neuen Windeln erhalten und kannst es gar nicht erwarten diese Deinem Baby anzuziehen - ABER HALT: zuerst müssen die Stoffwindeln gewaschen werden! Für eine problemlose Herstellung der Textilien werden Garne und Stoffe oft imprägniert, die Nähmaschinen hinterlassen winzige Spuren vom Nähmaschinenöl und oft kommen die fertigen Teile noch in extra Verpackungen, etc. Wird die Windel nicht gewaschen, dann kann sie auch nichts aufsaugen (ja, ich habe es ausprobiert).

Damit die Windel also saugen kann, sollen Naturfasern anfänglich 3-4 mal in der Maschine gewaschen werden , bei den Kunstfasern reicht ein Waschgang.
Naturfasern wie Baumwolle, Hanf,  Leinen oder naturnahe Fasern wie Viskose, Lyocell müssen eingewaschen werden damit sie die Flüssigkeit gut aufsaugen können. Ihre optimale Saugkraft erreichen sie meist erst nach 10 Waschgängen. Damit Du Deine Windeln aber schneller nutzen kannst hältst Du den Wickelabstand kürzer bzw. ergänzt die Windel mit anderen, eventuell schon gewaschenen, Einlagen.


Schmutzige Stoffwindeln aufbewahren und waschen:

Schmutzige Windeln in einem Windelsack sammeln, dabei Stuhlreste vorher schon mit kaltem Wasser und Gallseife oder Fleckenseife vorbehandeln.

Dann die schmutzigen Stoffwindeln nach 2 oder 3 Tagen in der Waschmaschine waschen, dabei vorher die Klettverschlüße der Stoffwindeln und Überhosen schließen (die meisten haben Gegenkletts dafür):
  1. Zuerst die Windeln einmal ohne Waschmittel durchspülen (kann kalt und kurz sein), damit wird schon mal Urin ausgespült. Unbedingt die Windeln auch schleudern und das Wasser abpumpen lassen!
  2. Den eigentlich Waschgang wählen – am Besten 60 Grad, viele kommen auch zwischendurch mit 40 Grad zurecht bzw. dies wird von den Herstellern teilweise empfohlen.
  3. Waschmittel dazugeben – abgestimmt auf Härtegrad, Verschmutzung.
  4. Wenn möglich den Wasserstand erhöhen oder die Maschine zu einstellen das am Ende ein zusätzlicher Spülgang passiert.
  5. Bei hartem Wasser (oder auch auf Wunsch) in das Weichspülfach etwas Entkalker oder den Hygienespüler von Ulrich Natürlich bzw. Wäschespüler von Sonett dazugeben. Alle drei Produkte entfernen eventuelle Waschmittelreste am Schluß und machen die Wäsche weicher.
  6. Eventuell die Schleuderzahl auf max. 1200 Umdrehungen verringern (wichtig bei Viskosewindeln!)
  7. Mein Tip für die Wäsche bei Windeln mit Klettverschlüssen: eventuell ein  Wäschenetz benutzen.


Welches Waschmittel:

Bei der Wahl des Waschmittel scheiden sich die Geister - die einen empfehlen dieses die anderen jenes. Ich persönliche ziehe Bio-Waschmittel ohne Enzymen, ohne enthaltenen Bleichmittel vor. Bei Bedarf gebe ich Bleichmittel dazu oder Entkalker oder einen Wäschespüler.
Ich habe von anderen Eltern gehört die erfolgreich ihre Stoffwindeln mit Vollwaschmittel waschen und andere mit Bio-Waschmittel. Viele lieben beduftete Mittel, andere nicht.
Probiere aus was für Dich und Dein Kind am Besten funktioniert.

Das auf KEINEN Fall:

  1. Konventionellen Weichspüler NICHT verwenden (legt sich als Film auf die Fasern und verringert die Saugkraft erheblich)

  2. KEINE Chlorbleichen - zu aggresiv für alle Stoffe
  3. Sauerstoffbleich oder Zitronensäure bei PUL - der kann dadurch beschädigt werden.
  4. Aufheller: bringen nichts an Sauberkeit, es werden einfach Partikel auf den Flecken gelagert. Auch darauf reagiert so manches Baby.

Windeln trockne
n:

Nach der Wäsche kannst Du die frischen Windeln entweder auf der Leine trocknen oder auch oft im Trockner. Beim Trockner werden natürlich die Gummis und die Stoffe sehr viel stärker beansprucht und das Material sowie die Elastizität der Gummis leiden darunter.
Beim Trocknen auf der Leine gegebenenfalls die Windeln eher flach legen. Denn wenn die nasse schwere Windel nur an einem oder zwei Punkten befestigt wird kann das Gewicht der Windel ebenfalls die Gummis belasten und ausleiern.
Es gibt Hersteller die dazu raten PUL Windeln nicht in der prallen Sonnen (Mittagssonne) zu trocknen. Windeln mit PUL-Anteil soll auch nicht auf der Heizung oder dem Kamin getrocknet werden. Wolle darf gar nicht in den Trockner und ebenfalls nicht auf den Kamin oder die Heizung.

Lufttrocknen ist  für Umwelt, Windel und Geldbeutel die beste Methode. Die Sonne bleicht Flecken aus und hat eine desinfizierende Wirkung. Wenn Du aber auf einen Trockner nicht verzichten möchtest, dann benutze eine niedrige Temperaturstufe.

Die Windeln sollen wirklich immer durchgetrocknet sein. Wenn sich im Inneren des Saugkerns noch Feuchtigkeit befindet, können sich Bakterien und Schimmelpilze ansiedeln und vermehren, die Windeln fangen an zu stinken. 

Fleckenbehandlung:

Am Besten entfernst Du Flecken wenn diese noch frisch sind. Bei einer schmutzigen Windeln das Grobe in der Toilette entsorgen, die schmutzige Windel  mit kaltem Wasser und Fleckenmittel behandeln und danach in die Windeltonne oder den Wetbag geben.

Bei PUL-Windeln sollte das Fleckenmittel  auch für beschichtete Textilien geeignet sein (bitte die Hinweise auf den Verpackungen lesen!).

Wir empfehlen:

  • Fleckenmittel mit Panamrindenextrakt von Ulrich Natürlich oder Sonett: eignen sich für alle Textilien (auch Wolle/Seide). Das Mittel aufsprühen, einwirken lassen und dann vorsichtig mit Wasser ausspülen, dabei leicht reiben. Diese Mittel sind vegan.
  • Gallseife: gut geeignet für Baumwolle, Mikrofaser.  Sie ist weniger gut bei Bambusviskose und Wolle, Seide. (Nicht vegan!)
  • ASMI Fleckenseife : enthält Seifen daher ist sie weniger gut für Mikrofaser geeignet, aber sehr gut für alle anderen Stoffe.
  • Fleckensalz / Sauerstoffbleiche: Diese Mittel werden dem Waschmittel in der Maschine beigegeben. Es eignet sich sehr gut  für helle, weiße Stoffe aber Farben können ausbleichen. Sauerstoffbleiche hat eine leicht desinfizierende Wirkung.
  • Tip: Wenn Du meinste das eine Mikrofasereinlage/Windel nicht mehr gut saugt, dann kannst Du die Einlage ebenfalls mit den Fleckenmittel einsprühen und behandeln. 

Das könnte interessant sein zu wissen / zu vermeiden:

  1. Weitere Enzyme wie Lippasen, Amylasen etc. vermeiden. Oft bleiben Reste in den Stoffen hängen und diese können Hautprobleme in den feuchten, warmen Windeln erzeugen. Der Deutsche Allergikerbund rät auch von der Verwendung von Enzymen ab.
  2. Duftstoffe vermeiden: sie können Allergien oder auch nur leichte Reizungen hevorrufen. Manche umhüllen auch die Fasern und vermindern die Saugkraft.
  3. Sauerstoffbleichen / Fleckensalz:
    • Einige Waschmittel enthalten oft Bleichstoffe auf Sauerstoffbasis andere nicht, da kann Fleckensalz separat zugegen werden. Diese Sauerstoffbleichen sind ab ca. 50-60 Grad wirksam, hellen Flecken auf, haben eine desinfizierende Wirkung
    • Bei farbigen Windeln beachten: die Farben können ausbleichen.
 

Probleme wie stinkende Windeln oder Hautreizungen:

Stinkende Windeln entstehen oft durch eine Kombination von:
  1. zu wenig Wasser
  2. zu viel oder zu wenig Waschmittel
  3. bwz. zu kalkhaltigem Wasser (es können Kalkseifen entstehen) - Entkalker prüfen
  4. zu niedrigen Temperaturen.
Wenn die gewaschenen Windeln also nicht neutral riechen oder sogar stinken, dann musst Du etwas an Deiner Waschroutine ändern.

Hautreizungen können leider auch öfter auftreten, dann folgendes ausprobieren um das in Zukunft zu vermeiden:
  1. Waschmittelart überprüfen: verträgt mein Kind es oder nicht, eventuell das Waschmittel wechseln.
  2. Waschmittelmenge überprüfen: brauche ich mehr  oder weniger.
  3. Enthärter notwendig?
  4. Waschmaschine generell regelmässig mal mit 90 Grad laufen lassen, damit Waschmittelrückstände und Schlieren aufgelöst werden
  5. Bei der Verwendung von Popocremes immer ein Papiervlies verwenden und die Einlagen danach ab und zu mit Panamrindenextrakt oder Gallseife behandeln (entfernen eventuell Fettreste und Hautschüppchen die sich auf den Stoffen ablagern können und die Stoffe weniger saugfähig machen).

Zum Thema Überhosen waschen und pflegen haben wir eine eigene Seite erstellt.

  

Noch mehr über das Aufbewahren der schmutzigen Stoffwindeln:

  • Ein großer Windeleimer (oft auch Oskartonne genannt, nach dem Monster aus der Sesamstraße) wird von vielen Eltern genutzt. Es ist hilfreich ein großes Wäschenetz einzuhängen (z. B. von Blümchen oder Popolini). Das ganze - nicht geschlossene -  Netz wird dann in die Maschine gegeben und die Windeln werden ausgespül.

  • In den letzten Jahren sind sogenannte Wetbags (Windelbeutel, Diaper Pails) immer beliebter geworden. Sie lassen sich gut an einem Haken aufhängen und nehmen dadurch weniger Platz ein. Der gesamte Beutel wird geöffnet in die Waschmaschine gegeben, die Windeln können dann rausfallen. So wird der Beutel jedesmal wieder sehr gut sauber.

  • Stehen die Eimer auf einer Fussbodenheizung, entwickelt sich natürlich sehr viel schneller ein gewisser Duft. Es ist also besser, wenn die Eimer kühl stehen können.

  • Die Windeln werden NICHT eingeweicht, weder in Essigwasser noch in etwas anderes.

    • Hinweis zum Essig: er schadet den Gummibündchen der Windeln sowie der Gummidichtung der Waschmaschine

  • Am Waschtag kannst Du den Eimer mit Essigwasser und ein paar Tropfen Lavendelöl einfach ausspülen. Danach ist er wieder geruchslos.

  • Diaper Pals: das sind Duftplättchen die sehr oft künstlich beduftet sind. Eine Alternative wäre es ein paar Tropfen reines Lavendelöl oder Teebaumöl in den Eimer zu geben.

Entsorgung Windelvles:

  • Wir empfehlen nur noch das Windelvlies über die Mülltonne zu entsorgen. 
  • Wenn Du das Papiervlies in die Toilette schmeißt kann es in den Rohren Deines Hauses zu Verstopfungen im Rohrsystem kommen. Zudem leiden die Kläranlagen und Tunnelsysteme in den letzten Jahren verstärkt unter Verstopfungen die aufwändig entsorgt werden müssen.
  • Schmeiß das verschmutze Vlies in die Mülltonne. Sie sind kompostierbar.
  • Ein reines Pipi-Vlies kannst Du auch meistens noch ein paarmal mitwaschen und wieder verwenden, das aber bitte nur in einem Wäschenetz damit es nicht das Abflußrohr verstopfen kann.

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