Pocketwindeln sind in den letzten Jahren aus den USA zu uns nach Deutschland gekommen. Und brachten neue Stoffe, Farben, Schnitte in die deutsche Stoffwindelwelt.

Aber was ist eine Pocketwindel überhaupt?

Der Name Pocketwindel zeigt es schon an: es ist eine Stoffwindel mit einer Taschenöffnung.

Meist sind diese Öffnungen im Rückenteil, sie können aber auch in der Mitte oder vorne am Bauch sein. In diese Öffnung wird eine Saugeinlage geschoben. Eine Pocketwindel kann also eine ganz normale Stoffwindel sein die eine Überhose als Nässeschutz benötigt, ABER: meistens werden unter dem Begriff Pocketwindel sogenannte Komplettwindeln verstanden. Also eine Stoffwindel die außen eine fest vernähte Überhose hat.

Meist ist dieser Nässeschutz aus einem aktmungsaktiven PUL gefertigt, innen gibt es dann eine Lage aus einem Innenfutter (entweder Kunstfaser oder Naturfaser) und in die Öffnung wird eine Saugeinlage geschoben. Die sauberen Windeln können direkt nach dem Trocknen schon vorbereitet und dann ruck-zuck dem Kind angelegt werden.

Mittlerweile gibt es Pocketwindeln in allen Möglichen Schnitt- /Material-/Farb-/Verschlusskombinationen, mitwachsend oder in der Mehrgrößenversion. Es haben sich auch Mischformen mit den All-in-One Windeln gebildet. D. h. eine Saugeinlage ist teilweise eingenäht, wird in die Tasche eingelegt oder auf das Innenfutter aufgelegt.

Aus welchen Stoffen besteht eine solche Pocketwindel?

Der Windelschnitt erinnert an eine Wegwerfwindel und wird auch genauso angelegt. Geschlossen werden die Pocketwindeln mit Druckknöpfen oder Klettverschlüssen.

Die Außenhülle besteht meist aus einem aktumgsaktivem PUL Stoff (Polyester der mit Polyurethan beschichtet ist). Im Inneren haben diese Stoffwindeln oft ein Futter entweder aus Mikrofaserfleece oder aus einem glatten Material wie Coolmax oder ähnliche Funktionsfasern. Das war vor allem am Anfang der Pocketwindeln so. In den letzten Jahren bieten aber doch einige Hersteller auch Pocketwindeln mit einem Inneren aus Baumwolle an.

Welche Saugeinlagen nimmt man für eine Pocketwindel?

Die Saugeinlagen sind in vielen Fällen aus einem Mikrofaserfrottee aber auch immer öfter aus Baumwolle oder Bambusviskose oder aus Gemischen. Man kann aber auch besonders gut Prefolds verwenden oder aber geformte andere Einlagen.
Wichtig ist es darauf zu achten, dass die Einlagen nicht zu schmal sind. Denn bei einer zu schmalen Saugeinlage läuft das Pipi seitlich aus.

Was ist der Unterschied zwischen einer Pocketwindel und einer AIO?

Der Unterschied ist bei einer “klassischen” Pocketwindel darin zu sehen, dass bei der Pocketwindel der saugende Teil (die Saugeinlage) komplett aus der Windel geholt wird und es keinen angenähten Saugkern gibt. Es gibt aber - wie schon erwähnt - mittlerweile All-in-One Windeln deren Saugkern so gestaltet ist, dass eine lange Einlage teilweise am Innenfutter befestigt ist und die Einlage in die Taschenöffnung geschoben werden kann.

Wie oft muss ich eine Pocketwindel wechseln?

Pocketwindeln können immer nur einmal verwendet werden und kommen danach zur Schmutzwäsche. Bitte beim Windelwechsel nach Möglichkeit die Saugeinlage sofort aus der Taschenöffnung herausnehmen. Theoretisch fallen die Einlagen aus der Windel während des Waschvorgangs heraus, aber in der Praxis funktioniert das nicht immer sehr gut. Und dann werden die Saugeinlagen nicht gut durch gespült. Die Pocketwindeln sollten wirklich nicht mehrere Male verwendet werden, denn das Innenfutter wird ja nass und schmutzig.

Für wen eignen sich Pocketwindeln?

Diese Windeln sind so einfach anzulegen, das sie ideal auch für diejenigen sind, die sich ansonsten nicht an Stofwindeln ran trauen. Gut für Babysitter, für Kita, für unterwegs eine schnelle Alternative. Und meist sehen sie auch noch so schick aus - da reicht im Sommer die poppig bunte Windel und ein buntes T-Shirt!
Ich bin ja ein bekenndner Fan von Wollüberhosen, aber für den Sandkasten waren mir meine Wollies zu schade.

Welche Hersteller bieten Pocketwindeln an?

Besonders bekannt waren vor einigen Jahren die Pocketwindeln von Fuzzi Bunz. im Grunde genommen DIE Pocketwindel schlechthin Anfang/Mitte der 2000er Jahre. Entwickelt von einer Mutter, deren Kind allergisch auf Wegwerfwindel reagierte. Aus dem Eigenbedarf hat sich eine bekannte Marke entwickelt und auf dieser Idee beruhen auch viele andere mittlerweile weltweit bekannte Stoffwindelmarken. FuzziBunz selber ist gar nicht mehr so bekannt.
Bekannte Hersteller für Pocketwindeln sind zur Zeit (Update Feb. 2020)

  • Blümchen (Futter: Mikrofaserfleece)
  • Little Lamb (Futter: Mikrofaserfleece)
  • Blueberry
  • BumGenius
  • Charlie Banana (bietet auch eine Baumwollversion an)
  • Doodush (Coolmax im Futter)
  • Windelzauberland (Baumwolle im Innenfutter)
  • und noch viele mehr.

Ersetzt eine Pocketwindel eine Überhose?

Jnein. Eine Pocketwindel könnte theoretisch als Überhose genutzt werden, müsste aber dann auch nach jeder Nutzung gewaschen werden. Also die Pocket dann über die Stoffwindel anziehen bzw. Saugeinlagen direkt auf das Innenfutter legen. Aber: die saugenden Windeln/Einlagen sind nass und diese Nässe zieht sich auch in das Innenfutter der Pocketwindel. Dort setzt sie sich fest und die Windel fängt an zu riechen. Solltest Du schnell genug wickeln und die saugende Windel ist nur teilweise nass, dann könntest Du auch mal die Pocketwindel mehrfach verwenden.

Kann ich eine Pocketwindel als Schwimmwindel nutzen?

Das empfiehlt sich nicht.

  • Gefährlich: Eine Schwimmwindel hat in manchen Versionen zwar ein Innenfutter, doch dieses ist so gestaltet, dass das Wasser durchfließt und nicht eingeschlossen wird. Bei einer Pocketwindel ist das Innenleben ganz anders. Luftblasen können dazu führen, dass das Kind im Wasser plötzlich wie eine Ente den Popo in die Luft streckt - und den Kopf ins Wasser. Das ist extrem gefährlich.
  • Zu groß: die Pocketwindeln sind so geschnitten, dass eine Saugeinlage in das Innere passt. Und Schwimmwindeln sollen eng anliegen damit im Falle eines Kackas dieses nach Möglichkeit im Inneren der Windel bleibt.
  • Die Beschichtung des PUL kann kaputt gehen. Das Chlorwasser ist nicht gut für die PU-Laminierung.