Was sind Saugeinlagen bei einer Stoffwindel?

Oft ist es notwendig die Saugkraft einer Stoffwindel noch mit zusätzlichen Saugeinlagen zu verstärken. Es gibt sie aus unterschiedlichen Stoffen, in unterschiedlichen Formen und Dicken. Einige Saugeinlagen können auch als eigenständige Windel verwendet werden -oder andersrum gesagt - einige Windeln werden als Saugeinlagen genutzt?
Aber nicht nur das verwendete Material macht einen Unterschied,

sondern auch die Verarbeitung. So kann z. B. ein Frotteestoff aufgrund der Schlingen mehr an Urin aufsaugen als ein glatt gewebter Stoff. Ein dicht gewebter Mullstoff kann auch auch mehr Flüssigkeit aufsaugen als ein dünneres Material. Erkennbar ist das z. B. an den Gewichtsangaben eines Stoffes, meist geschieht dies durch die Angabe xy Gramm / Quadratmeter.

Welche Saugeinlagen gibt es für eine Stoffwindel?

Grob unterscheiden kann man zwischen

Falteinlagen und geformten Einlagen

Falteinlagen sind einfach nur größere oder kleinere Tücher die ein oder mehrmals gefaltet werden. Sie können aus einer oder mehreren Lagen Stoff bestehen.
Klassische Falteinlagen sind z. B. die 40 x 40 cm großen Moltontücher wie es sie z. B. von Disana gibt. Es gibt diese Einlagen aber auch aus anderen Stoff wie Bambusviskose, Hanf oder Mischungen wie Bambus/Baumwolle.

Falteinlagen können aber auch Prefolds sein oder Mullwindeln (siehe weiter unten).

Geformte Einlagen sind entweder rechteckig oder oval oder sanduhrförmig oder leicht T-förmig. Wenn sie ganz lang sind, dann können sich nochmal vorne oder in der Mitte eingeschlagen werden.  Sie sind meist aus mindestens 2 Lagen Stoff zusammengenäht. Je mehr Stoff fest miteinander vernäht ist, umso dicker ist die Einlage und umso länger benötigt sie dann auch zum Trocknen. Daher ist es praktisch bei z. B. Hanfstoffen darauf zu achten, dass die Einlage nicht an allen Seiten miteinander vernäht ist, sondern sich zumindest teilweise ausklappen lässt.

Windeln als Saugeinlage verwenden

Es gibt Windeln, die sich sehr gut ebenfalls als Einlagen verwenden lassen. Das sind größere Tücher und diese können auch als eigenständige Windeln verwendet werden. Aber natürlich auch als zusätzliche Saugeinlagen bei einer dünnen Stoffwindel. Beliebt sind:

  • Mullwindeln
  • Prefolds (Systemwindeln / Kalifornische Windel)

Sowohl Mullwindeln als auch Prefolds können in unterschiedlichen Stoffen, Größen, etc. verwendet werden. So lassen sich Mullwindeln z. B. nicht nur ganz klassisch rund um den Babypopo wickeln, sondern einfach nur zu einem langen Rechteck falten und in eine Überhose einlagen. Und schon kann das Baby gewickelt werden.
Hier im Bild ist eine Prefold in eine Überhose mit speziellen Laschen eingelegt.

Welche Stoffe und welche Vorteile gibt es bei den Saugeinlagen?

Es werden mittlerweile viele verschiedene Stoffe verarbeitet, manchmal werden sie auch kombiniert.

  • Baumwolle
  • Viskose wie z. B. aus Bambuszellfasern
  • Hanf
  • Mikrofasern aus Polyester und/oder Polyamid

Vor- und Nachteile der einzelnen Materialien

Baumwolle

  • empfinden die meisten als angenehm auf der Haut und ist daher gut verträglich
  • Naturfaser
  • saugt gut und viel auf
  • ist auch bei hohen Temperaturen waschbar.
  • Der Nachteil liegt oft im Anbau (Pestizide, Herbizide, Dünger, hoher Wasserverbrauch). Daher ist es gut hier auf Bio-Qualität zu achten.

Viskose aus Bambus

  • wird auch von vielen vertragen
  • saugt sehr gut
  • benötigt wenig Dünger
  • Nachteil: Der Herstellungsprozess der Viskose ist nicht nicht sehr umweltfreundlich, oft sind die Stoffe mit einem Kunstfaseranteil vermischt. Viskose ist generell ein empfindliches Gewebe und kann im nassen Zustand - also der Waschmaschine - leicht reissen. Daher ist der Verschleiß beim Waschen höher als bei Baumwollfasern.

Hanf

  • saugt sehr gut
  • aber quillt langsam auf. Daher auf die Hanfeinlage etwas schnell aufsaugendes aus Baumwolle oder Viskose legen.
  • Ist sehr umweltfreundlich im Anbau.
  • Lässt sich bei hohen Temperaturen waschen,
  • sollte nach dem Trocknen gut durchgeknetet werden, da der Stoff hart werden kann.
  • Benötigt mehr Zeit zum Trocknen als Baumwolle oder Viskose.
  • Die Hanfstoffe sind meist eine Mischung mit Baumwolle und/oder Bambusviskose, damit der Stoff weicher ist.

Polyester/Polyamid

  • Die Einlagen können viel aufsaugen,
  • geben den Urin auf Druck aber schnell wieder ab.
  • Günstig in der Produktion.
  • Nachteil: viele Menschen vertragen keine Mikrofasern
  • die Stoffen sollten nicht zu oft bei ganz hohen Temperaturen gewaschen werden.
  • Je nach Kombination von Waschmittel, Wasserhärte, Hautfett, Cremeresten kann ein ganz dünner Film auf der Einlage entstehen, der entweder zu stinkenden Einlagen führen kann oder aber auch das die Einlage nicht mehr so gut saugt.

Spezielle Einlagen wie Stay Dry Liner, Wolleinlagen, etc.

Es gibt noch spezielle Einlagen die bestimmte andere Aufgaben haben wie z. B. die Haut trockener zu halten, Rötungen zu vermeiden.

Trockeneinlagen, Fleeceinlagen, Stay Dry Einlagen Das sind Kunstfaserstoffe, die oft ganz weich verarbeitet sind. Die Stoffe sind recht dünn und dienen dazu, den Urin an darunter liegende saugende Stoffe weiterzuleiten und die Haut trockener zu halten. Es gibt Kinder die das sehr gut vertragen (die kommen dann z. B. mit nasser Baumwolle gar nicht zurecht), es gibt aber auch Kinder diese Einlagen / Oberflächen nicht vertragen. Diese Kinder reagieren dann mit geröteter, wunder Haut darauf.

Seideneinlagen In vielen Fällen hilft es eine Seideneinlage auf gerötete Haut zu legen. Die unbehandelten Seidenstoffe schaffen es oft die Haut zu beruhigen. Seideneinlagen werden mit der Hand vorsichtig mit sanftem Waschmittel gewaschen

Wolleinlagen: Einlagen aus Wolle können zwei Aufgaben haben:

  • Einmal als Verstärkung für die Überhose (meist aus Wolle). Dann werden sie zwischen Windel und Überhose gelegt. Für diesen Zweck werden sie vorher gefettet.
  • Oder aber als nicht gefettete Wolleinlagen können sie direkt an die Haut gelegt werden. Dann halten sie die Babyhaut trockener und sind eine Alternative zu den Fleeceinlagen.

Windelvlieseinlagen sind KEINE Saugeinlagen: Die dünnen Wegwerfeinlagen haben nur den Zweck, das große Geschäft vom Stoff wegzuhalten. Diese werden komplett über den Restmüll entsorgt.

Und noch ein paar Tipps für die Saugeinlagen:

  • Saugeinlagen kombinieren An die Haut direkt ein schnell aufsaugendes Material und darunter dann z. B. Polyester oder eine Hanfeinlage. Oder aber bei sehr weichem Stuhlgang (Muttermilchstuhl) einen Frotteestoff direkt an die Haut legen. Denn besonders die hochflorigen Stoffe haben den Vorteil, dass sie den Muttermilchstuhl gut auffangen und dieser sich einigermaßen über der Toilette abschütteln lässt.
  • Günstig und vielseitig Ganz klassisch sind Moltoneinlagen in der Größe 40 x 40 cm (weich aufgebürsteter Baumwollstoff) oder aber kleine Prefolds (Größe 1 oder Newborn) und auch kleine Mullwindeln. Diese Einlagen/Windeln lassen sich sehr vielfältig nutzen.
  • Waschen & Trocknen Dicke Einlage trocknen langsamer als dünne daher wäre zu überlegen ob faltbare Einlagen nicht besser wäre. Dicke Einlagen lassen sich schlechter ausspülen. Wenn sich noch Urin und Waschmittelreste darin befinden, dann kann diese zu Hautreizungen führen und/oder zu stinkenden Windeln.

Verwendet Ihr zu dünne Einlagen, dann müsst Ihr öfter die Windel wechseln. Öfter die Windel wechseln ist nie schlecht, aber in manchen Situation unerwünscht oder unpraktisch. Wenn Ihr das Gefühl habt, die Windeln laufen aus, dann sind diese oder die Einlagen nicht immer gleich verseift, oft reicht das Saugmaterial zu diesem Zeitpunkt nicht aus. Vielleicht trinkt das Kind mehr oder es hält länger sein Pipi an und macht dann plötzlich auf einmal so viel Pipi, das die Windel das gar nicht mehr so schnell aufsaugen kann.

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(Update: Februar 2020)