Nein, ich stelle Euch hier jetzt kein neues Schnittmuster für Stoffmasken vor. Es gibt schon ganz viele Muster, Anleitungen, Videos zu diesem Thema. Es gibt auch viele Diskussionen über die Vor- und Nachteile der Masken. Ich denke: wenn ganz viele Menschen eine Maske tragen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Tröpfchenübertragung und damit ist auch ein höherer Schutz gegeben. Das mögen manche anders sehen. Aber darum geht es hier jetzt auch nicht.

Hier geht es heute um das Material: Denn es gibt oft Fragen welche Stoffe verwendet werden können. Und wo der Unterschied liegt. Das möchte ich hier erklären.

Welche Stoffe werden für Behelfsmasken empfohlen?

In den unterschiedlichen Anleitungen werden reine Baumwollstoffe empfohlen. Baumwolle deswegen da sie bei hoher Temperatur gewaschen werden kann (mindestens 60° Grad, Kochwäsche bei ca. 95° Grad). Baumwolle kann auch im Trockner getrocknet und heiß gebügelt werden.
Der größte Teil der Anleitungen erklärt leider nicht, dass es sich bei diesen Stoffen um Webstoffe handelt. Und nicht um Jerseystoffe (T-Shirt Stoff) aus Baumwolle. Korrekterweise müsste also immer dabei stehen: 100% Baumwolle (Webware). Alternativ ginge auch Leinen, das ist allerdings in vielen Fällen wiederum zu steif. Viskosestoffe wiederum sind oft zu weich, glatt und außerdem sollte Viskose nicht in die Kochwäsche. Der Stoff leidet langfristig darunter.

Warum Baumwollwebware?

Ein gewebter Stoff ist - zumindest in den meisten Webarten - fester, steifer und damit formstabiler als ein gewirkter Stoff. Jerseystoffe - aus denen z. B. T-Shirts, Sweatshirts, Jogginghosen, etc. bestehen - sind viel weicher und oft in viele Richtungen dehnbar. Für die Behelfsmasken ist es wichtig einen fest gewebten Stoff zu verwenden, damit möglichst wenig Partikel nach außen oder nach innen gelangen können. Oft werden die gewebten Stoffe beim Waschen noch etwas fester, das Gewebe zieht sich nochmals zusammen. Ein Jerseystoff gibt oft nach einer gewissen Tragezeit nach, wird weicher und weniger fest. Ebenfalls leiern viele Jerseystoffe nach einigen Waschzyklen aus. Die Behelfsmasken sollen möglichst eng am Gesicht liegen und gut abschliessen, daher ist ein Nachgeben des Stoffes möglichst unerwünscht. Viele T-Shirt-Stoffe haben einen gewissen Anteil an Elasthan damit der Stoff möglichst eng am Körper getragen werden kann - aber Elasthan verträgt keine hohe Wasch- und Trocknertemperatur. Es geht kaputt und damit wird der Stoff wieder sehr nachgiebig.

Was ist der Unterschied zwischen Webware & Jersey?

Die Art und Weise wie ein Garn zu einem Stoff verarbeitet wird macht den Unterschied zwischen Webware und Wirkware aus. Das Material kann sowohl Baumwolle oder Viskose oder Seide oder Kunstfaser oder oder oder sein.

Webware:

Bei einem Webstuhl werden erst längs Fäden gespannt (=Kettfaden) und dann werden quer Fäden (Schussfaden) über/unter die Längsfäden geschoben. Daraus ergibt sich dann eine sogenannte Bindung und je nachdem wie die Schussfäden liegen, ergeben sich unterschiedliche Bindungsarten.
Es gibt drei Grundbindungsarten und dabei gibt es dann noch mehrere unterschiedliche Unterarten:

  • Leinwandbindung (Geschirrtücher, Betttücher)
  • Köperbindung (Jeansstoffe)
  • Atlasbindung (z. B. hochwertige, glänzende Stoffe)

Jersey:

ein Oberbegriff für viele gestrickte (gewirkte) Stoffe. Sie sind sehr elastisch und dehnbar. Oft werden diese Stoffe als Schlauch gestrickt und später aufgeschnitten. Deshalb haben viele Jerseystoffe oft eine Kante die mit einem Kleber behandelt wurde.
Es gibt auch hier einige unterschiedliche Jerseyarten wie z. B.

  • Singlejersey (eine Seite hat recht Maschen, die andere linke)
  • Rippjersey (typisch: Bündchenware)
  • Interlock (rechte und linke Stoffseite sind identisch)
  • und noch einige andere mehr.

Welche gewebten Baumwollstoffe eignen sich?

Eigentlich alle die aus 100% reiner Baumwolle gewebt sind. Es gibt sogar ein paar Spezialstoffe die einen Kunstfaseranteil haben, dadurch sehr schnell trocknen und aus denen auch OP-Kleidung gemacht wird. Aber wer sicher gehen möchte, nimmt reine Baumwolle.
Die meisten Baumwollstoffe haben mittlerweile die Waschkennzeichnung: 30 maximal 40 Grad Wäsche. Sie halten aber durchaus Kochwäsche aus, allerdings ist das Einlaufen und das Aufhellen der Farben dann möglich.
Je höher die Grammzahl eines Stoffes auf den Quadratmeter ist, umso dicker und dichter ist auch ein Stoff. Aber hier muss man überlegen: wieviel Luft bekomme ich noch? Ist das angenehm?
Ein glatter Stoff fühlt sich auch oft besser im Gesichtsbereich an als ein aufgerauhter. Ein solcher Stoff kann ein höheres Wärmegefühl erzeugen.

Eignet sich PUL Stoff für eine Behelfsmaske?

Ich persönlich würde das nicht empfehlen. Diese PUL Stoffe sind in einem gewissen Maase atmungaktiv - aber dennoch wird es darunter warm und das einatmen wird sehr schwer. Es ist ein Unterschied ob ich einen Baumwollstoff oder einen beschichteten Kunststoff vor dem Mundbereich habe. Ich habe auch bei unserem finnischen Lieferanten Myllymuksut nachgefragt: sie empfehlen das nicht. Ebensowenig empfiehlt es der US-Hersteller Wazoodle.

Meine Stoffempfehlungen für Behelfsmasken:

In den letzten Tagen habe ich einige unserer Stoffe getestet. Dabei habe ich jeweils 50 cm abgeschnitten, den Stoff dann bei 95 Grad gewaschen, auf hoher Temperatur getrocknet und heiß gebügelt. Es ist nichts dramatisches passiert. Alle Stoffe behielten wunderbar die Form, verloren in der Länge vielleicht 3-8% an Länge, waren nicht verzogen und nicht verfärbt. Ich habe das bei den einzelnen Stoffen vermerkt. Getestet habe ich schon:

  • Einige Quiltstoffe. Der Vorteil von Quiltstoffen ist generell ein dichteres Gewebe, daher eignen sich diese Stoffe schon mal sehr gut. Läuft um ca. 8% ein.
  • Baumwollstoff Heide. Läuft um ca. 5%.
  • Molton 190/qm Verfestigt sich nach dem Waschen noch etwas mehr und wird somit dichter. Kann auch vom Hersteller aus bei 95 Grad gewaschen werden, ein Klassiker bei unseren Windelstoffen - aber im Moment schwer nach zu bestellen.
  • Bio-Baumwollflanell: Ein unglaublich toller Stoff! Läuft um ca. 3% ein, lässt sich super nähen und fühlt sich extrem gut an. Gewicht ca. 220 g/qm.
  • Wir haben noch einen Restbestand an einem Köperbaumwollstoff. Sehr fest und dicht.

Wieviele Stofflagen werden benötigt?

Die meisten Behelfsmasken bestehen aus 2 Lagen Stoff. Bei der Stoffauswahl also die zwei Stofflagen vor Mund/Nase halten und versuchen ruhig ein- und auszuatmen. Wenn es zu schwer wird, dann einen etwas dünneren Stoff wählen.
Manche nähen die Masken mit einer Einschubmöglichkeit für Filter. Diese Filter bestehen oft aus einem extra Streifen Molton oder aber Filter aus Taschentüchern, Zewa oder aber auch aus Staubsaugertüten oder speziellen Filtermaterial. Das richtige Filtermaterial zu bekommen ist aber zur Zeit extrem schwer.
Ob Staubsaugerstüten wirklich geeignet sind vor dem Gesicht - ich weiß nicht. Abraten möchte ich auf jeden Fall von der Verwendung von Einwegbinden oder Einwegslipeinlagen. Da sind viele chemischen Superabsorber und Duftstoffe drin und oft eine Klebefolie die die Atmung behindert.

Welches weitere Zubehör wird benötigt?

Auf jeden Fall Nähmaschine, Garn, Schere und je nach Modell Schrägband (ebenfalls aus Baumwolle) oder Gummibänder. Manchmal auch Draht um der Maske über der Nase einen besseren Sitz zu geben. Die Gummibänder können - je nach Modell und Wunsch - durch sogenannte * Jerseynudeln ersetzt werden. Dabei wird ein Jerseystoff in Richtung des Fadenlaufs in schmale Streifen geschnitten, kurz in die Länge gezogen und dabei rollt sich dann der Stoffstreifen ein.

  • Die Länge und Breite der Gummibänder richtet sich nach der Trageweise. Sollen die Bänder hinter dem Kopf liegen, dann müssen sie länger sein und auch etwas breiter. Gummibänder die über das Ohr laufen, liegen mit 0,5 bis maximal 1 cm (und das ist bei vielen schon zu breit) gut an. Da variiert die Länge von ca. 15-23 cm. Das kommt auf die Elastizität des Gummis sowie die Person darauf an. Ich bekam von einer Ärztin den Hinweis, dass die Gummis nicht zu eng anliegen sollten, sonst drückt das sehr schnell.
  • Schrägband kann fertig gekauft werden (Breite: ca. 2-3 cm) oder aber auch selber hergestellt werden.
  • Draht / Metall Hier ist die Variation auch sehr groß: manche verwenden Pfeifenreiniger (entweder die originalen oder die zum basteln), andere den Metallstreifen der Heftstreifen aus dem Bürobedarf, dickeren Blumendraht. Es gehen auch alte dünne Kabel, die sind dazu noch in Gummi eingehüllt.

Wie können die Masken gereinigt werden?

Hier gibt es auch unterschiedliche Empfehlungen:

  • Auskochen im Topf: Mindestens 5 Minuten im Kochtopf auskochen. Oder eben in die Kochwäsche der Waschmaschine geben.
  • Backofen: bei ca. 90 Grad für ca. 20 Minuten im Backofen trocknen lassen. Das tötet auch die Viren ab.
  • Mikrowelle: kann ich nicht empfehlen (siehe Bild)

Schnittmuster für Behelfsmasken

Es gibt mittlerweile viele, viele Schnittmuster im Internet. Eines der ersten und nun bekanntesten Muster ist von der Feuerwehr Essen. Dabei wird ein rechteckiges Stück Stoff doppelt gelegt, in Falten geschoben und mit Schrägband eingefasst. Es kann noch ein Stück Draht eingeschoben werden, damit die Maske über der Nase einen besseren Abschluss bildet.

  • Bei Nähtalente gibt es gleich mehrere unterschiedliche Anleitungen: gefaltet, geformt und auch aus einem T-Shirt. Und das Schnittmuster ist in unterschiedliche Größen unterteilt, d. h. es gibt auch Kindergrößen.

Andere Schnittmuster sind Masken die schon fast eher wie ein Hundemaulkorb geformt sind. Manche nennen sie auch liebevoll Schnutenschutz. Hier gibt es auch eine große Auswahl:

  • Diesen hier finde ich sehr gut: CraSy

Wie schon geschrieben: es gibt sehr, sehr viele Schnittmuster und Möglichkeiten eine Behelfsmaske zu nähen.
Es gibt Gruppen und einzelne Personen die ehrenamtlich Behelfsmasken nähen und diese kostenfrei (oder gegen Materialaufwand) an Pflegeeinrichtungen weitergeben.
Und es gibt auch mittlerweile viele (kleine) Schneidereien die diese Masken zum Verkauf anbieten. Was ich übrigens nicht verwerflich finde. Es wird niemand gezwungen die Masken zu kaufen und für die Unternehmen bietet sich eine Verdienstmöglichkeit. Viele Schneidereien können im Moment keine anderen Aufträge nicht annehmen (Kontaktverbot), können sich aber so etwas dazu verdienen. Und gleichzeitig nähen viele noch zusätzlich ehrenamtlich diese Masken oder spenden Material und Zubehör an dementsprechende (lokale) Gruppen.