Nach den Kunstfasern und Naturstoffen kommen wir hier noch zu den Stoffen / Windeln aus den sogenannten “naturähnlichen” Fasern, auch Regenerationsfasern genann. Sie werden aus einem natürlichen Ausgangsstoff nämlich z. B. Zellulose gefertigt, durchlaufen aber einen recht komplizierten Prozess. Und darum geht es hier.

Bekannter sind diese Stoffe unter dem Namen

Viskose

Ungefähr 2007 / 2008 wurden Bambusstoffe sehr populär für Stoffwindeln. Das Garn ist weich, leicht glänzend, saugfähig.
Der Vorteil von Viskosenstoffe ist auf jeden Fall: Viskose kann relativ viel an Nässe aufsaugen. Deswegen haben einige namhafte Hersteller auch Saugkerne in ihren Windeln sehr oft mit Viskose bestückt. Die Windeln können so weniger dick geschnitten werden.

Beworben wurde damals die Bambusfaser (und wird teilweise immer noch) mit den Schlagwörtern “atmungsaktiv, antibakteriell, wundheilend” etc. ACHTUNG: DAS ist nicht ganz richtig und musste auch richtig gestellt werden. Was dann auch in Deutschland passierte (aber leider heute immer noch teilweise behauptet wird). Die Industrievereinigung Chemiefaser e. V. hat diverse Analysen durchgeführt und nun gibt es auch eindeutige Anweisungen, dass Textilien aus Bambus als Viskose (eventuell mit dem Zusatz “aus Bambuszellfasern”) zu kennzeichnen sind.

Was wahrscheinlich nicht unerheblich dazu beigetragen hat: dieses Garn aus Bambus wird hauptsächlich in China hergestellt. Die Garnspulen werden dann oft z. B. nach Europa verschifft und dann wird dort der Stoff produziert.

Aber egal wo das Garn hergestellt wird - auf jeden Fall hat das Endprodukt nichts mehr mit dem Bambus an sich zu tun.

Wie wird Viskose hergestellt?

Viskose wird im allgemeinen aus Pflanzenteilen hergestellt. Aus Holzresten, aus Bambus, aus Fichte, aus xyz.
Diese Holzteile werden zerkleinert und mittels chemischen Stoffen (u. a. Schwefelkohlenstoff) zu einem zähen Brei verarbeitet. Diese zähe Masse wird durch winzigste Spinndüsen geschossen und es entsteht ein dünner Faden. Bei dem chemischen Prozess fallen natürlich auch noch Abfallprodukte an, die nicht unerheblich sind und auch irgendwie umweltfreundlich entsorgt werden sollten. Aber wissen wir, wie das in China oder Indien passiert?

Aber es gibt auch Vorteile der Vikoseproduktion vor allem mit dem Rohstoff Bambus:

  • Bambus benötigt sehr wenig an Düngern und Pestiziden.
  • Bambus wächst in asiatischen Ländern quasi wie Unkraut. Bambus wird auch nicht in den Wäldern einfach so abgeholzt, die Pandabären müssen deswegen nicht verhungern. Es gibt große Plantagen und der Bambus wächst einfach schnell und schnell und schnell.
  • In Asien wird Bambus seit Jahrhunderten einfach universell eingesetzt und gilt in vielen Bereichen aufgrund seiner unproblematischen Anbauweise einfach als nachwachsender Rohstoff der Zukunft.

Alternativen zur Viskose-Herstellung:

In Europa wird Lyocell (Markenname Tencel) hergestellt und auch dies ist eine Viskose, die vom Hersteller und den weiterverarbeitenden Produzenten als umweltfreundlichere Alternative zu der Bambusviskose angeboten. Darüber habe ich auch schon Informationen bei uns im Shop zur Verfügung gestellt.

Relativ neu auf dem Markt sind Stoffe aus Sojabohnen oder Milcheiweiß.
Abfallverwertung einerseits, aber andererseits: es sind auch Lebensmittel. Sollten wir wirklich Lebensmittel für Textilien verwenden? Müssten wir Überschüsse nicht besser verteilen?
Und welche Art von Soja wird verwendet? Genmanipuliertes Soja? Biologisch korrektes Soja?
Wie sind die entsprechenden Nebenprodukte? Wie werden die entsorgt? Wie hoch ist der Energieaufwand zu Herstellung von Viskosenstoffen?
Ich hatte mal interessantes Gespräch mit der FH in Reutlingen und der zuständige Professor war schon der Ansicht, dass in Zukunft noch sehr viel mehr an neuen Kunstfasern sich entwickeln wird, als wir im Moment denken.

Als letzten Teil der Serien dann der Versuch eines Fazits.